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Geschäftsbericht

2018 / 19

Geschäftsbericht

2018 / 19

BayBG im Überblick

„Wir können Mittelstand“

„Eigenkapital ist unser Geschäft. Wir bieten viel mehr. Wir begleiten unsere Portfoliounternehmen langfristig und bringen wertvollen zusätzlichen Input ein.“ Im Interview erläutern die beiden Geschäftsführer die langfristige Unternehmensstrategie und stellen gleichzeitig konkrete Einzelaspekte vor.

 

 

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Herr Pauli, Herr Vogel, seit gut einem Jahr bilden Sie die Geschäftsführung der BayBG. Wie beurteilen Sie das erste gemeinsame Geschäftsjahr?

 

PAULI: Wir sind zufrieden. Mit Neuinvestments von mehr als 44 Millionen Euro hat die BayBG ihr geplantes Ziel erreicht. Insgesamt haben wir zum Ende des Geschäftsjahres 308 Millionen Euro in mittelständische Unternehmen und Start-ups investiert, eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Markt unsere Beteiligungsangebote schätzt und der Mittelstand unsere Lösungen nachfragt. Der Dealflow ist leicht gestiegen, auf der Ertragsseite lag die BayBG auf Kurs.

 

VOGEL: Diese Ergebnisse sind umso höher einzuschätzen, wenn das finanzwirtschaftliche und unternehmerische Umfeld berücksichtigt wird. Prinzipiell hat der Mittelstand in den vergangenen 10 Jahren guter Konjunktur und guter Erträge über Thesaurierungen sein Eigenkapital zum Teil deutlich erhöht. Gleichzeitig verändern sich Banken- und Finanzierungslandschaft mit der Digitalisierung rasant, neue Anbieter und neue Geschäftsmodelle kommen hinzu.

Trotzdem konnte die BayBG ihre starke Position behaupten.
 

PAULI: Weil die Unternehmen die Vorteile und die Chancen sehen. Insbesondere bei der Umsetzung von Zukunftsprojekten und Sprunginvestitionen ist die Wahl des Kapitalgebers wichtig. Wird z. B. die Kreditfinanzierung überreizt, erhöht sich die Krisenanfälligkeit in drohenden Abschwungphasen oder bei unternehmensspezifischen Problemsituationen, mit Plattformen und Algorithmen kann sich der Unternehmer in solchen Situationen übrigens auch nicht unterhalten. Die Mitarbeiter der BayBG verfügen über langjährige Erfahrungen, sie kennen viele der, insbesondere im familiengeführten Mittelstand, immer wieder auftretenden Fragestellungen und helfen bei der Suche nach Lösungen. Bei der Prüfung von Neuinvestments steht nicht das aktuelle Rating im Fokus, wichtiger sind die Potenziale und die mittelfristigen Möglichkeiten, das Geschäftsmodell zu entwickeln. Mit anderen Worten: Wir können Mittelstand.

„Unser Fokus liegt weiterhin auf Mezzaninekapital und Minderheitsbeteiligungen zwischen 500.000 Euro bis 7 Millionen Euro. Um den etwas größeren Mittelstand noch besser zu begleiten, können wir in Einzelfällen Investments von bis zu 10 Millionen Euro anbieten.“

PETER PAULI

Diplom-Kaufmann

Sprecher der Geschäftsführung

VOGEL: Darüber hinaus bieten wir den Unternehmen vielfältige Added Values und bauen diese nun verstärkt aus. Wir stehen unseren Unternehmern in vielen Unternehmenssituationen mit Kompetenz, der Beratung, mit unserem Research und unseren Netzwerkpartnern zur Verfügung. Unser Netzwerk ist über 45 Jahre gewachsen und geht mit der Beratung von zahlreichen unternehmerischen Fragestellungen über die reine Unternehmensfinanzierung klar hinaus. Zusätzlich stellen wir regelmäßig Kontakte zwischen Unternehmen innerhalb unseres Beteiligungsportfolios her, um auch diese möglichen Synergien aktiv zu fördern.

 

Wie begründen Sie den dauerhaft-langfristigen Erfolg der BayBG, der sich unter dem neuen Geschäftsführerteam nahtlos fortsetzt?

 

PAULI: Eine wichtige Rolle spielen unsere Gesellschafter, die die Entwicklung der BayBG nachhaltig unterstützen. Darüber hinaus sind in unseren Geschäftsfeldern – Expansions bzw. Mittelstandsfinanzierung, Unternehmensnachfolgen, Turnaround, Venture Capital und Kleinbeteiligungen - Mitarbeiterteams tätig, die über eine hohe Expertise verfügen. Wir profitieren von den verschiedenen Geschäftsfeldern und unserem großen Portfolio sowie den daraus resultierenden Portfolio-Effekten.

 

VOGEL: Trotz unserer ausdifferenzierten Angebotsstrategie entwickeln wir uns kontinuierlich weiter und passen unsere Lösungen und die konkreten Einsatzmöglichkeiten von Beteiligungskapital regelmäßig an die Marktbedürfnisse an. Wir haben unsere unmittelbaren Akquisitionsaktivitäten weiter intensiviert, bauen diese auch zukünftig aus und steigern so die allgemeine Awareness der BayBG und insbesondere unsere Alleinstellungsmerkmale.

 

Das wäre also eine dieser notwendigen Fein- und Nachjustierungen, von denen Sie vor einem Jahr gesprochen haben?

 

PAULI: Wir müssen uns immer wieder aufs Neue auf den Prüfstand stellen und unsere Lösungsangebote ebenso wie unsere interne Organisation den Gegebenheiten des Marktes anpassen. So stellen wir uns im Moment konkret in einem internen Projekt die Frage, was wir von den Möglichkeiten der Digitalisierung in unserem Marktsegment für uns ableiten und anwenden können.

 

Die BayBG ist der traditionelle Beteiligungs-Partner des bayerischen Mittelstands. Sind in der Angebotsgestaltung größere Änderungen geplant?

 

PAULI: Das Konzept hat sich bewährt. Unser Fokus liegt weiterhin auf Mezzaninekapital und Minderheitsbeteiligungen zwischen 500.000 Euro bis 7 Millionen Euro. Um den etwas größeren Mittelstand zukünftig noch besser zu begleiten, können wir in Einzelfällen Investments je Unternehmen von bis zu 10 Millionen Euro anbieten. Die BayBG wird auch mit dem Transformationsfonds Bayern zusammenarbeiten – der bayerische Staat hat einen von der LfA gemanagten Fonds in Höhe von 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, der zusammen mit Beteiligungsgesellschaften in Unternehmen investieren soll, die ihr Geschäftsmodell vor dem Hintergrund technologischer Umbrüche verändern bzw. transformieren müssen. Davon unabhängig werden wir auch in Zukunft unser Angebot für kleinere Unternehmen mit einem geringeren Kapitalbedarf fortführen.

 

VOGEL: Die Mischung aus kleinen und großen Unternehmen ist ebenso wie unser branchenübergreifendes Portfolio eine unserer besonderen Stärken. Insgesamt realisieren unsere Portfoliounternehmen einen Gesamtumsatz von mehr als 10 Milliarden Euro. Abgesehen von den ganz großen, weltweit bekannten Unternehmen wie HAWE Hydraulik oder Heinz Glas realisieren z. B. mehr als 100 unserer Portfoliounternehmen jeweils einen Jahresumsatz über 20 Millionen Euro. Neben den Wachstumsfinanzierungen engagieren wir uns tatsächlich seit Jahrzehnten bei der Regelung der Unternehmensnachfolge oder eines Gesellschafterwechsels. Auf solche Anlässe, zu denen auch Vermögensdiversifizierungen, also ein Teilverkauf der Gesellschafter, zählen, wollen wir in den nächsten Jahren ein besonderes Augenmerk legen.

 

2019 war für die BayBG ein zufriedenstellendes Jahr. Was erwarten Sie für 2020?

 

VOGEL: In den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnten wir bereits 20 neue Engagements realisieren. Für 2020 prognostizierten die Wirtschaftsforschungsinstitute ein schwieriges Jahr ohne gesamtwirtschaftliche Wachstumsimpulse. Mit der Mitte März mit voller Wucht ausgebrochenen Krise um COVID-19 sind diese Aussagen inzwischen obsolet.

 

PAULI: Die berechtigten, aber dennoch drastischen staatlichen und betrieblichen Maßnahmen zur Einschränkung der COVID-19 Pandemie werden erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen haben. Viele mittelständische Unternehmen müssen existenzbedrohende Szenarien durchdenken und managen. Der Staat, insbesondere auch der Bayerische Staat, wird entsprechende Hilfspakete schnüren, die BayBG wird das in ihren Gestaltungsmöglichkeiten liegende veranlassen, um einen Beitrag zur Bewältigung dieser außerordentlichen Krisensituation zu leisten.

 

Wie kann die BayBG den Mittelstand vor den negativen Auswirkungen der Corona-Krise schützen?

 

PAULI: Als zuverlässiger Partner des Mittelstands werden wir, wo immer möglich, unsere aktuellen Portfoliounternehmen unterstützen. Gleichzeitig werden wir uns in geeigneten Fällen neu in solchen Unternehmen engagieren, die zwar prinzipiell langfristig-zukunftsfähig aufgestellt sind, sich aber wegen kurzfristiger „coronabedingter“ Einbrüche in einer schwierigen Situation befinden.

 

VOGEL: Weiterhin erfordert die Überwindung der Krise in den Unternehmen vielfach Änderungen in den Produktions-, Organisations- oder Logistikabläufen. Damit verbunden ist regelmäßig ein zusätzlicher Kapitalbedarf für zum Beispiel Digitalisierungsmaßnahmen, den wir zum Teil abdecken können.

 

Unabhängig von der Corona-Krise, in welchen Branchen sehen Sie die größten Chancen für neue BayBG-Engagements?

 

PAULI: Ich sehe die größten Potenziale bei Digitalisierung und Klimawandel, insbesondere in der Digitalisierung der Produktion – Smart Manufacturing –, der Digitalisierung des Gesundheitssystems und in Technologien, die auf den Klimawandel „einzahlen“. Die Geschäftslage und Perspektiven sind zufriedenstellend.

 

Wie sieht die persönliche Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden aus?

 

VOGEL: Peter Pauli ist seit Jahrzehnten eng mit dem hiesigen Mittelstand und der Venture-Capital-Szene vertraut und vernetzt. Er kennt Chancen und die besonderen Herausforderungen des hiesigen mittelständischen Beteiligungsgeschäfts wie kaum ein Zweiter. Unabhängig vom Fachlichen harmonieren wir persönlich und menschlich. Der Austausch und die Abstimmung funktionieren gut.

 

PAULI: Die Zusammenarbeit zwischen uns beiden verläuft unkompliziert. Wir ergänzen uns gut in vielen Punkten. Karl Christian Vogel bringt mit seiner langjährigen mittelständischen Beteiligungserfahrung viel Know-how ein und setzt wichtige neue Akzente, zum Beispiel bei der Vernetzung unserer Portfolio-Unternehmen.

„Trotz unserer ausdifferenzierten Angebotsstrategie entwickeln wir uns kontinuierlich weiter und passen unsere Lösungen regelmäßig an die Marktbedürfnisse an.“

KARL CHRISTIAN VOGEL

Diplom-Ingenieur RWTH Aachen

Geschäftsführer